Can: Live In Brighton 1975 - Hilfe
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Can - Live In Brighton 1975

Cover von Live In Brighton 1975
Can
Live In Brighton 1975

Label Spoon
Erstveröffentlichung 03.12.2021
Format 2-CD
Lieferzeit 1 – 3 Werktage
Preis 14,95 € (inkl. MwSt. zzgl. Versand)
Rezension

Nach dem 75er Konzertmitschnitt aus Stuttgart jetzt die nächsten Can-Archivaufnahmen, offiziell bei Spoon Records erscheinen. Mitte der 70er war mit Blick auf die Diskographie die Luft eigentlich schon ein wenig raus, das letzte Hammer-Album „Ege Bamyasi“ lag schon drei Jahre zurück und dann war man auch noch ohne Sänger unterwegs, denn Damo Suzuki war bereits 1973 von Bord gegangen. In der (weitgehenden) Gesanglosigkeit liegt allerdings auch der Reiz des Mitschnitts aus Brighton. Denn die namenlosen Songs haben Jam-Charakter und scheren sich wenig um herkömmliche Strukturen. Ein weiteres Plus ist die Soundqualität: High-End ist zwar etwas anderes, dafür hat man hier oft den Eindruck, selbst mitten auf der Bühne zu stehen. Der Sound des mit allerlei Digitaltechnik aufgemotzten Bootlegs wirkt absolut authentisch, ganz leicht verhallt und knackfrisch! Laut, direkt und intensiv. Das Allerbeste: die Drums stehen im Vordergrund und das klingt hervorragend. Vor allem wenn man (bei welcher Band gibt es das schon?) Drummer Jaki Liebezeit für das Herz der Truppe hält. So gerät „Live in Brighton 1975” zur ultimativen Liebezeit-Experience! Verstehe gar nicht, warum Livealben nicht generell so einfach aufgenommen werden, das macht ungleich mehr Spaß als nachproduziertes Zeug und präsentiert die Band eben so, wie das vor bald einem halben Jahrhundert wohl geklungen hat. Der Bass von Holger Czukay bleibt anfangs ein wenig dünn, aber ich höre ohnehin nur auf das mächtige Drumming von Liebezeit. Der gilt ja gemeinhin als eher subtiler Minimalist, der hier aber auch ganz schön auf die Kacke haut. Auch Michael Karolis Gitarre ist sehr präsent, übernimmt überwiegend die Führung und das mit breitem stilistischem Spektrum, von funky bist teils expressiv und heavy, auch mit langen Soli ganz im Geist der Zeit. Irmin Schmidts Tasteninstrumente (meistens Orgel) verschwinden angesichts der durchaus rockistischen Wucht oft im Hintergrund. Bei Songlängen zwischen 9 und 18 Minuten bleibt auch Zeit für offenbar improvisierte Momente, auch mal experimentell lautmalerisch und ohne Beat (Tracks „Sechs“ und „Sieben“, letzterer ein Jam über „Vitamin C“). Überwiegend regiert hier aber ein satter Rock-Groove mit psychedelischem Space-, Kraut- und auch etwas Prog-Content. Durch das leicht verschobene Klangbild und die unerwartet spannende Phase im Schaffen von Can wird das Album zu einem überraschend zwingenden Erlebnis. Ja, ich bin schwer begeistert. (Joe Whirlypop)

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