Stoppok - V.A.: "26 / 70 - die Songs von Stoppok" (PRE-ORDER! vö:07.08.)
Rezension
Ein Tribute Album.
Von 0815 ist „26/70“ meilenweit entfernt. Nicht nur was die Zahlenfolge anlangt, sondern auch inhaltlich. „26/70“ ist ein Code mit dem Siegel: fälschungssicher. Ein Geburtsgeschenk von der Stange wollte sich STOPPOK denn auch gewiss nicht machen, nach all den Jahrzehnten als freigeistreiche Ruhrpott-Ikone und herausragender Prototyp deutscher Songwriter-Kunst. Schon vor vielen Jahren charakterisierte der Bestseller-Autor Frank Goosen den Kollegen trefflich und liebevoll: „Der Stoppok ist das, was man im Ruhrgebiet eine ,echte Fresse' nennt, was durchaus liebevoll gemeint ist, und dazu passt auch, dass man kaum je auf die Idee kommen würde, ihn bei seinem Vornamen ,Stefan' zu rufen.“
Im Februar 2026 jährte sich dessen Geburtstag (man glaubt es nicht) zum 70. Mal. Daher lautet der Titel dieses Tribute-Albums denn auch folgerichtig und ein wenig geheimnisvoll „26/70 - die Songs von STOPPOK“. Es ist der Code zu einem Liederkosmos, der seit Jahrzehnten zuverlässig wie ein Kompass in einer verpeilten, verwirrten Welt funktioniert. Als Geschichtenerzähler einer ganzen Republik mit Hang zu schrägen Klamotten und trefflichen Gedanken. Und weil STOPPOK mit seinem „Artgenossen“-Projekt, bei dem sich seit Jahren verschiedenste Künstlerinnen und Künstler zu einmaligen Live-Abenteuern zusammenfinden, ohnehin seine Antennen stets auf Empfang hat, war die Umsetzung dieser Idee nur konsequent.
Das Ergebnis ist erstaunlich. Denn die klingende Geburtstagstorte ist kein Tribut im Sinne der Unterwerfung, sondern im Sinne der Würdigung eines Komponisten, Musikers und Sängers, dessen Unverwechselbarkeit für alle Interpretinnen und Interpreten zur Herausforderung wird. Die über die Jahrzehnte entstandenen Songs entwickeln freilich in der Adaption der Gäste neue, individuelle, auch überraschende Klangfarben. Sebel, in der STOPPOK-Band seit Jahren Keyboarder, war als Produzent der einfühlsame Strippenzieher.
Der Opener bot sich an: Lina Maly, Phil Siemers und Pohlmann hatten den „Wetterprophet“ schon mal eingespielt und legen nun eine stimmige Neuversion auf. Auch das Finale ist logisch: Denn der liebesflehende Song „Mal dein Herz an“ gehört aktuell in allen STOPPOK-Shows zum Mitsing-Plädoyer. Die „Artgenossen“-Version bringt Hoffnung und Hookline auf den Punkt. Die Kollektion folgte somit einem STOPPOK-Prinzip, das freie Spiel und steuernde Planung zusammenzubringen. BAP-Mastermind Wolfgang Niedecken pickte sich sofort „Wie tief kann man sehen“ heraus. Und wenn man den Kölner hört, spürt man sofort, dass ihn dieser Song persönlich berührt. Der Niederbayer Hannes Ringlstetter verlegt „Und retour“ mit großer Selbstverständlichkeit in seine Mund-Art, TOKUNBO zieht aus der Beziehungsballade „Leise“ sanfte Glücksgefühle. Alin Coen ließ die seelenwärmende Ballade „Dein Glück“ mit den Basis-Session von STOPPOKs indischen Bühnenfreunden um Soumyojit-Sourendro verschmelzen.
STOPPOK wollte die Zeitsprungkraft seiner Songs überprüfen. Und wirklich landen sie durch die Interpretation jüngerer Musikerinnen und Musiker in der Jetzt-Zeit, im Heute. Zu hören sind Klassiker ohne Verfallsdatum, die und das ist das Bemerkenswerte auch ohne den speziellen Charakters des Originals bestehen. Ob das nun Fortuna Ehrenfeld („Tage wie dieser“), Selig-Sänger Jan Plewka („Zwischen Twentours und Seniorenpass“), die legendären 17 Hippies („Kebap bezahl'n“), die zwei Schwestern von Joco („Mülldeponie“), die junge Desiree Klaeukens („Dumpfbacke“), Miss Allie („Cool durch Zufall“), die begnadeten Musikkabarettisten Simon & Jan („Alles nur ein Film“) und Lo-Soul-Sängerin Ami Warning mit Schmidbauer & Kälberer („Pack mit an“) sind: Sie alle betonen die Gabe von STOPPOK, Songs zu schreiben, die hängenbleiben. Im Gehörgang. Im Hirn. Im Herzen.
Und die Beiträge der reaktivierten ersten deutschen Frauen-Punkband Östro 430 („Giftig“), der Kölsch-Rocker Brings („Wenn Du weggehst“) und der Indie-Institution Fury in the Slaughterhouse („Tanz“) verweisen auch auf den weiten musikalischen Horizont des Lied-Lieferanten: STOPPOK ließ es schon immer gerne krachen.
Das Album könnte vielleicht auch 17/75 heißen, denn so groß ist die Alters-Spannbreite. Sie reicht von der Hamburger Schülerband D'Rest bis zum BAP-Grandseigneur Wolfgang Niedecken. Eine Gratulantenschar der Vereinten Generationen. Gute Songs sind eben alterslos, ever green. Wie man in die Welt (oder war's der Wald? Egal!) hineinruft, so schallt es hinaus.
Angaben zur Produktsicherheit
Herstellerinformationen
Glitterhouse Records GmbH
Schlachthofstr. 36a
21079 Hamburg
Deutschland
www.glitterhouse.com
Tracklisting
| 1. Wetterprophet - Phil Siemers / Pohlmann / Lina Maly< |
| >2. Leise - TOKUNBO< |
| >3. Wie tief kann man sehn - Niedeckens BAP< |
| >4. Pack mit an - Ami Warning , Werner Schmidbauer,Martin Kälberer< |
| >5. Aus dem Beton - D'Rest< |
| >6. Alles nur ein Film - Simon & Jan< |
| >7. Mülldeponie - Joco< |
| >8. Und Retour - Ringlstetter< |
| >9. Tage wie dieser - Fortuna Ehrenfeld < |
| >10. Dein Glück - Alin Coen & Soumyojit-Sourendro< |
| >11. Wenn Du weggehst - Brings< |
| >12. Zwischen Twentours und Seniorenpass - Jan Plewka, Marco Schmedtje< |
| >13. Kebap - 17 Hippies< |
| >14./Giftig - Östro 430< |
| >15. Tanz - Fury In The Slaughterhouse< |
| >16. Dumpfbacke - Desiree Klaeukens< |
| >17. Cool durch Zufall - Miss Allie< |
| >18 Mal Dein Herz an (Live Session aus dem Maarweg Studio in Köln, Feb. 2026) - Stoppok & Artgenossen |
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