Scharping: Unser Charping - Hilfe
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Scharping - Unser Charping

Cover von Unser Charping
Scharping
Unser Charping

Label Glitterhouse Records
Erstveröffentlichung 01.04.2022
Format LP
Lieferzeit 1 – 3 Werktage
Preis 15,00 € (inkl. MwSt. zzgl. Versand)
Rezension

Es gibt drei große Werke unserer Zeit: Die Bibel als kulturstiftende und -zerstörende Blaupause aus einer längst vergessenen Zeit, das Computerspiel „Autos bauen mit Willy Werkel“ und die atemberaubend epische Biographie des ersten deutschen Kaisers Franz Beckenbauer. Nun gesellt sich ein Viertes hinzu, das alles in den Schatten stellt. „Unser Charping“, das Debütalbum der Band Scharping.

Scharping aus der furchtbarsten Stadt in Deutschland. Nicht aus München. Nein, aus Berlin an der Spree kommt diese Gruppe, die mit einer gar rigorosen Wucht versucht, die Musikwelt ins Taumeln zu bringen. Das sind Jermain Mikel Herold (Lost Girls), Angelo Fonfara (Nille Promille), Christian Heerdt (Botschaft) und Kevin Kuhn (Die Nerven). Vier Charaktere, geprägt von jugendlichem Übermut und einem geradezu Trüffelschwein-artigen Gespür für Hooklines und gute Songs. Vier Sänger und Texter, allesamt gesegnet mit extrem feinem Humor, der die gesamte Palette von schwach- bis tiefsinnig abdeckt. Eine Gruppe, so konsequent inkonsequent, dass es wehtäte würde ihre Platte uns nicht so zärtlich umgarnen.

Schnallen Sie sich an und lassen Sie sich entführen in die Weiten einer Langspielplatte, deren Hymnen Sie noch weit über den Urlaub denn nichts anderes ist das Lauschen von „Unser Charping“ in den Alltag begleiten werden. Scharping bedienen sich vertrauter Stilelemente verschiedenster Genres, die auf dem Papier gegenläufiger nicht sein könnten, und das auch sehr häufig im Verlauf eines einzelnen Songs. Disco und Heavy, AOR und R&B, Lounge und Mittelalter. Und warum nicht, wenn es doch jedes Mal so verflucht catchy ist. Obwohl die Musik von Scharping stets eine eigene Handschrift trägt, lassen sich, was die experimentierfreudige Herangehensweise und den sardonischen Humor betrifft, klare Parallelen zu umrühmten Weirdos wie Mr. Bungle, Frank Zappa, den Cardiacs und Ween ziehen. Noch viel nahtloser reihen sich Scharping bei Legenden wie Frankie Goes To Hollywood, Jennifer Rush und Huey Lewis & The News ein, schließlich haben alle vier einen Song mit dem Titel „The Power of Love“.

In den 40 Minuten, die dieses Album umfasst, wird Abwechslung groß geschrieben, denn Abwechslung ist ein Hauptwort. Auf der einen Seite stehen Four-to-the-floor Rock-Disco-Banger wie die erste Single- Auskopplung „Alternative zur Umwelt“ und der „Hätte es Deutschen Rap schon 1978 gegeben“-Track „I Smoke Me Fat“ mit ihren infektiösen Mitsing-Refrains. Auf der anderen Seite Songs wie „Schau dir dabei zu“, mit Fleetwood Mac-Tastentönen. Genauso verboten, aber sexy wie Falco hört man hier, wie schön und schrecklich Obsession sein kann, oder ist es doch eine Kritik am Dingfetisch der Gesellschaft? Scharping lassen uns bewusst im Unklaren. Und egal, wie all die Namen heißen. Ob „Susanna“, „Angie“ oder doch „Emily“ Scharping kennen sie alle. „Unser Charping“ setzt da an, wo die Bibel an Sexappeal verliert und hört dort auf, wo sich Mond und Sonne guten Tag sagen: In einer fernen Galaxie, so fern, dass dort keine Schallwellen aus deiner erbärmlichen Bluetooth Box ankommen werden, wohl aber die allesumfassende Liebesenergie, die dieses Album innehat. Es vermittelt ein Gefühl von Sehnsucht an Orte und Zeiten, die es nicht gibt und nie gab. Scharping ist die späte musikalische Rache an Deutschland und der Albtraum der neuen Generation.

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