Nive Nielsen & The Deer Children - My Mothers Name (lim.ed. White Vinyl) PRE-ORDER! vö: 09.10.
Rezension
Identität ist das Spannungsfeld zwischen Zuschreibung und Selbstentwurf. Nive Nielsen ist Kosmopolitin und als Schauspielerin die Rollenvielfalt gewöhnt, aber auch Grönländerin und Inuit – sie ist authentisch und gerade deshalb auch Projektionsfigur in einer politisch herausfordernden Gegenwart.
Vor allem aber ist sie Musikerin. Mit My Mothers Name erscheint am 09.10.2026 das neue Album von Nive Nielsen & The Deer Children auf Glitterhouse Records. Es ist das Erste seit 10 Jahren und folgt auf Nive Sings (2012) und Feet First (2015).
Es verhandelt leitmotivisch Identität, Sozialisation und Heimat – my mothers name, das meint das Ich, das mir von meiner Familie gegeben und mitgegeben ist. Im modernen Folk, der feine Reibungen und Zeitgeist einbindet, finden auch die grönländische Sprache und traditionelle Instrumentierung ihren Platz.
„My Mothers Name“ ist zugänglich, aber komplex und reich an klanglichen Verschiebungen. Neben akustisch geprägten Strukturen stehen subtile elektronische Brechungen, feine Dissonanzen und ein instrumentales Spektrum, das weit über die klassische Bandbesetzungen hinausgeht. Geigen, Querflöten, Gitarren, elektronische Texturen und die grönländische Qilaut-Trommel greifen ineinander, ohne je in folkloristische Zuschreibungen zu kippen. Das ist kreatives, vielschichtiges Singer-Songwriting. Die Oberfläche bleibt ruhig, aber glatt sind diese tiefen Wasser nie.
Aufgenommen wurde das Album in Dänemark; man entschied sich für einen bewusst organischen, hörbar handgemachten Sound, der auf Klarheit und Balance setzt. Und Nive Nielsens Individualität und Stimme Raum gibt. Sie singt auf Englisch, präsent, klar geführt. Die Songs entwickeln sich in ruhigen Bögen, die textlich weniger auf Zuspitzung als auf innere Bewegung setzen. Das ist poetisch und manchmal werden wir verführt in diesen Klang einfach hinab zu tauchen.
Nive Nielsen lebt und arbeitet grenzüberschreitend - ihre Songs entstehen aus einer Biografie, die Grönland, Europa und eine permanente Bewegung zwischen Orten und Kontexten umfasst. Beruflich bewegt sie sich seit Jahren zwischen Musik, Film und internationalen Kunstprojekten. Geboren in Nuuk und als Stimme einer Gegenwart, in der kulturelle Zugehörigkeit wieder stärker politisch aufgeladen wird, wird diese Offenheit zur Haltung. Und das augenscheinlich persönliche und fast private „My Mothers Name“ gerät in einen größeren Kontext.
Am Ende steht ein Album, das weniger auf große Gesten als auf Verdichtung setzt: detailreich und bewusst unaufgeregt. Einer der seltenen Glücksfälle, in denen Musik sowohl im konzentrierten Hören als auch intuitiv funktionieren kann. „My Mothers Name“ bietet Nuancen – während draußen eine Gegenwart tobt, die wenig Geduld für Zwischentöne hat.
Angaben zur Produktsicherheit
Herstellerinformationen
Glitterhouse Records GmbH
Schlachthofstr. 36a
21079 Hamburg
Deutschland
www.glitterhouse.com
Tracklisting
| 1. My Mothers Name< |
| >2. Time To Time< |
| >3. Paint< |
| >4. Low< |
| >5. Wild< |
| >6. Nuna Pii< |
| >7. Blame< |
| >8. Systematic< |
| >9. Lies< |
| >10. Up All Night |
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