Irreversible Entanglements - Future Present Past
Rezension
Das 26er Album der herausragenden Jazz-Band, die schon immer über Jazz hinausging (was sich auch im Werdegang diverser Mitglieder zeigt, wo es z.B. Berührungen mit der Indie/Punk-Szene gibt). Inzwischen ja nicht mehr auf International Anthem, sondern auf Impulse, deren weitreichende Traditionen aber auch erweitert werden (genauso wie die der historischen Van Gelder-Studios, der Aufnahmeort hier). Als erstes fällt auf: Die (10) Stücke werden immer kürzer (4x um 6 Min., sonst deutlich kürzer), die Songstrukturen kompakter, weniger ausgedehnte Improvisationen (auch nicht der 2 Bläser). Als nächstes: Diesmal gibt´s nicht nur die politisch konnotierten Poetry-Texte von Künstlerin/Aktivistin Moor Mother (bei allen Tracks dabei, auch mal als repetitiver/rhythmisch eingebundener Sprechgesang), sondern zur Hälfte auch Gast-Sängerin Motherboard (ob frontal agierend, ziemlich frei umherstreifend oder ansatzweise opernmäßig bis klangmalend und multipel eingesetzt). Womöglich noch verstärkt: Der Groove-Aspekt, bzw. die Beats außerhalb des „normalen“ Jazz-Kontextes. Mal fein polyrhythmisch rollend mit Afrika-Einfluss (und quasi nur als Signalgeber fungierenden getragenen Bläsern); mal Karibik-informierte Beats in wunderbar leichtfüßig/tanzend (beide Bläser von beiden Seiten herrlich wirbelnd) und in einem Fall zugleich komplex; Letzteres auch äußerst agil, nervös, enorm verdichtet, rasant und zugleich von Ostinato-Bass unterlegt, während parallel einerseits recht freie emotionale Bläser, ebensolcher Gesang sowie ein E-Piano an avancierteste Früh-70er Fusion/Jazz Rock erinnern, die Poetry ein eher ruhiges sparsames Kontrastprogramm liefert. Daneben eine nur spärlich instrumentierte Nummer in dunkler Atmosphäre (ein Hauch Dschungel); reiner exquisiter Free Jazz (+ Poetry), der später in einen vertrackt-polyrhythmisch groovenden atmosphärischen Kontext abbiegt; und ein zunächst reduzierter von farbiger Afro-Percussion und leisem Sax gespeister schöner Track, der später straight-diffizil rhythmisiert wird, samt ruhigen melodischen Bläserlinien. Am besten, für meinen Geschmack: Ein partiell hoch-intensiver 6-Minüter, eng verzahnter schneller Puls, im Kontrast getragene phasenweise erhaben wirkende strahlende Bläser, Motherboards Gesang lose im Hintergrund aber effektiv angelegt. Das alles auf sehr hohem Level und gelegentlich ein wenig spirituell anmutend. Klare Empfehlung. (detlev von duhn)
Angaben zur Produktsicherheit
Herstellerinformationen
Universal Music GmbH
Mühlenstr. 25
10243 Berlin
Germany
info@universal-music.de
Tracklisting
| 1. Juntos Vencemos (ft. Helado Negro)< |
| >2. Don’t Lose Your Head (ft. Motherboard) < |
| >3. Vibrate Higher (ft. Motherboard)< |
| >4. Panamanian Fight Song< |
| >5. We Know (ft. Motherboard)< |
| >6. Hold On (ft. Motherboard)< |
| >7. Keep Going (ft. Motherboard)< |
| >8. The Messenger< |
| >9. The Spirit Moves < |
| >10, We Overcome (ft. Helado Negro) |
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