Rezension
Sam Amidon ist Sänger und Multiinstrumentalist (Banjo, Gitarre, Fiddle). Auf seinem neuen Album Salt River interpretiert Amidon zehn bekannte Musikstücke neu, die er im Laufe der Zeit zusammengetragen hat, vom traditionellen englischen Shanty Golden Willow Tree bis zu Lou Reeds Big Sky. Es wurde in Zusammenarbeit mit dem Saxophonisten und Produzenten Sam Gendel aufgenommen. Sam hat 7 hochgelobte Alben veröffentlicht (u.a. bei Nonesuch, die allesamt z.Zt. nicht erhältlich sind) und mit The National, Bon Iver, Beth Orton, Marc Ribot & The Blind Boys of Alabama zusammengearbeitet.
Unser Rezensent ist angetan:
Wie schon zuletzt lauter alte bis uralte Stücke vom wahrhaftig außergewöhnlichen und teilweise richtig faszinierenden Musiker aus Vermont, zusammen mit u.a. Sam Gendel aufgenommen (Synthie, Gebläse, Producer). Wobei diese Songs aus extrem unterschiedlichen Quellen stammen, neben Traditionals aus England, Irland oder den Appalachen und einer Art Skandi-Folk (Norwegen) mit britischem Einschlag gehören je ein Cover von Lou Reed, Yoko Ono und Jazz-Legende Ornette Coleman (!) dazu. Keiner dieser Tracks orientiert sich an den diversen Vorlagen, fast alle atmen einen freien Geist (wenngleich natürlich oft die Herkunft des melodischen Gehalts klar erkennbar bleibt), was auch für die jeweilige (abwechslungsreiche) Instrumentierung, für die manchmal verblüffenden Arrangements gilt. Einige Kurz-Charakterisierungen: Ein slow-motion-Groove, eine beruhigende einnehmende Melancholie samt passenden Synth-Flächen (die sich wiederum mit Streichern durchdringen), resultierend in Sogwirkung. Ganz langsam gespielter Sound aus Percussion, E-Drums, Akustikgitarre, Harfe (?) und Flöte, die partiell nur einzelne/sparsame Tupfer beisteuern, seinen faszinierenden sanft-traditionellen Gesang untermalen (der die Appalachen-Herkunft transzendiert) mit zugleich kontemplativer, hypnotischer, trancehafter Wirkung, großartig! Folk Rock mit unterschwelligen Drones, die zugleich in deeper Form die Traditionen darstellen. Bei Ornettes Stück ist vom Jazz nur in der Verbindung mit nah-östlichem Einfluss zu hören, die einen fast schon experimentellen harmonisch freigeistigen Eindruck hinterlässt. Suggestiver parallel aber auch relaxter Folk Rock mit starkem Traditionsbewusstsein. Eine zeitgleich lebhafte und entspannte Nummer, agile Akustikgitarren treffen auf getragene/kontrastierende wie kongeniale Sax-Flächen und zwischen lieblich-wunderschön und quirlig pendelnde Flöten (auf Percussion-Basis). Ein herrlicher leicht repetitiver akustischer Saitenteppich plus bunte schwer identifizierbare Klangfarben sorgen für ein in sich ruhendes becircendes (aber natürlich stark modifiziertes) Folk-Traditional, der weiche Gesang verzaubert; entfernter Bezug: Bonnie Prince Billy, das Ergebnis: Phänomenal. Electro-Groove, englische Trad-Fiddle und Mouth Harp vermählen sich auf erstaunliche wie selbstverständlich wirkende Weise, erst im flotten uralten Folk-Dance-Stil, dann auf nunmehr Sax- und Synth-Basis kontemplativ-quirlig-jazzig, während im Hintergrund die Folkherkunft nur noch zu erahnen ist. Und schließlich: Aus Songwriter-Folk (ziemlich nackt und reduziert) wird ein ebensolches Irish-Trad-Derivat. Amidon klingt nicht direkt so, aber in der Herangehensweise sind vielleicht hier und da Parallelen zu Acts wie Ryley Walker, den herausfordernden Seiten eines Simon Joyner, eventuell auch Bill Callahan, sowie wie schon erwähnt Bonny Prince Billy (auch in der Art zu singen) auszumachen, gar ein bisschen The Gloaming (freilich in völlig anderem Sound). Auf jeden Fall: Eine dicke fette Empfehlung! (detlev von duhn)
Angaben zur Produktsicherheit
Herstellerinformationen
Bertus Musikvertrieb
Akeleibaan 59
2908 KA Capelle aan den IJssel
Netherlands
service@bertus.com
Tracklisting
1 Oldenfjord< |
>2 Three Five< |
>3 Big Sky< |
>4 Tavern< |
>5 Golden Willow Tree< |
>6 I'm On My Journey Home< |
>7 Ask the Elephant< |
>8 Cusseta< |
>9 Friends And Neighbors< |
>10 Never |
noch mehr von Sam Amidon