Alice Coltrane: The Carnegie Hall Concert (1971) - Hilfe
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Alice Coltrane - The Carnegie Hall Concert (1971)

Cover von The Carnegie Hall Concert (1971)
Alice Coltrane
The Carnegie Hall Concert (1971)

Label Impulse
Erstveröffentlichung 22.03.2024
Format 2-CD
Lieferzeit 4 – 7 Werktage
Preis 21,95 € (inkl. MwSt. zzgl. Versand)
Rezension

Ein singuläres Konzert von 1971, bislang unveröffentlicht (war zunächst wohl als Album geplant, vom Label auf Eis gelegt, irgendwann waren die Bänder verschwunden).

Ein kleines Fest, dass wir doch noch nach mehr als 50 Jahren in den Genuss dieser Aufnahmen kommen (der Sound ist okay). Schon die Besetzung als solche ist fabelhaft: Pharoah Sanders und Archie Shepp (beide Tenor- und Sopran-Sax, Sanders auch Flöte), Cecil McBee und Jimmy Garrison am Bass, Clifford Jarvis und Ed Blackwell sind die Drummer (auf LP 1 kommen noch Harmonium und Tamboura hinzu, allerdings ganz im Hintergrund). Alice spielt eine famose Harfe (LP 1) und ziemlich großartig Piano (LP 2). Im Prinzip also eine Art Doppel-Quartett.

LP 1 besteht aus 2 jeweils auf eine Viertelstunde massiv verlängerten Stücken des damals gerade erschienen Alice-Top-Klassikers Journey in Satchidananda (wobei die indischen Elemente verringert wurden): Der Titeltrack beginnt sachte, bedächtig und friedvoll, atmosphärisch klasse, der brillante perlende Harfen-Teppich (kaskadenartig) nur von Bass/Drums begleitet, eine teils überblasene Flöte steigt schließlich ein, poetisch und phasenweise recht originell gespielt, ehe das Tenorsax von Shepp in ähnlichem Modus weiterführt, freie Elemente in dezenter/keineswegs irgendwie wilder Weise einflechtend, später mit der Flöte korrespondierend. Dann Shiva-Loka: Nach ähnlichem Start kommen leichte afrikanische Einflüsse hinzu, die Rhythmik geht in Richtung komplexeren bzw. polyrhythmischen Swing-Groove mit kurzen freien Schlenkern, während das Sopran-Sax von Sanders und das Tenor von Shepp sich abwechseln, quirlig-frei (kontrolliert, nicht im Geringsten überbordend) respektive wunderschön lyrisch/melodisch/friedvoll; fast kontemplativ streckenweise, mit ein paar schnellen Tonfolgen durchsetzt, später übernimmt die Harfe wieder, punktuell von leisem Sax unterlegt. Ziemlich spirituelle, exzellente Musik!

LP 2 ist ein ganz anderes Ding, Alice begeistert nunmehr am Piano, in 2 noch längeren Stücken, diesmal stammen sie beide von John Coltrane; das 28-minütige „Africa“ von 1961, aber der Stil erinnert an den späten/Mitt-60er Trane, konsequenter bestechender Free Jazz mit durchweg tollen Soli beider (Tenor-) Saxofonisten und von Bass, Drums und Piano, mehrfach ekstatisch, „wild“, inklusive relativ ruhiger (und etwas melodischerer) Passagen. Das folgende „Leo“ (von Infinity) bringt es auf 21 Minuten, kommt sofort auf Touren, angesiedelt irgendwo zwischen Free Jazz und avanciertem/freigeistigem Post Bop spezieller Art, in einem gloriosen kompakten furiosen vollen Ensemble-Sound, der die Doppel-Quartett-Möglichkeiten in Gänze ausschöpft, wozu das faszinierende untenrum enorm raumfüllende Piano sehr viel beiträgt um differenzierter fortzufahren (a la Coltrane ca. 1964), mit variablem langen superben Piano-Solo über ausnehmend verdichtetem Backing, gefolgt von einem ebensolchen Feature der beiden Drummer (sehr schön rollend und intensiv und voll). Danach geht´s zurück zu den Anfängen des Stücks. Sehr zu empfehlen, natürlich! (detlev von duhn)

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