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Bleached - Don't You Think You've Had Enough

Cover von Don't You Think You've Had Enough
Bleached
Don't You Think You've Had Enough

Label Dead Oceans
Erstveröffentlichung 12.07.2019
Format CD
Lieferzeit 4 – 7 Werktage
Preis 13,95 € (inkl. 19% MwSt. zzgl. Versand)
Rezension

Auch ein Verehrer der zart-zerbrechlichen Feinkunst, des naturnah-akustischen Schönklangs braucht ab und an eine Attacke auf Ohren und Hirn, um nicht final aufzuweichen. Um meinem Hörgewohnheiten-Bild da draußen nicht untreu zu werden, greife ich derzeit bei akut drohendem Anmut-Alarm durchweg zum 2019er Wuchtwerk der Clavin-Schwestern, um die Ohren mit Gefühl und Gewalt freipusten zu lassen. Bis auf das mal drängelnd-peitschende, mal dümpelnd-polternde Schlagwerk (Spencer Lere's Drums spielen hier ein durchaus tragende, weil treibende Rolle), teilen sich Jennifer und Jessica die Kreativarbeit schwesterlich, die Lieder sind sämtlich Schwesternsache, und während Jennifer für den betörenden Gesang zuständig ist, kümmert sich Jessica um den Rest: Gitarren, Bass, Keyboards, Synthesizer, auch die bereichernde Harmoniestimme ist ihre Aufgabe. Und so geht es mit einem durchweg spürbaren, blinden Blutsverwandtenvertrauen, wie man es nur von Schwestern wie Larkin Poe kennt, zurück in Vergangenheit, denn schlicht nichts weist bei diesem dreckigen Dutzend kerniger Energiebündel auf heute oder gar nach vorn, wird befinden uns mitten im letzten Drittel des vergangenen Jahrhunderts, aber hier kennen sich die Clavins hörbar bestens aus. Und bei allen mal dezenten, mal mehr als deutlichen Nähen zu den Schwestern im Pop-, Rock-, Punk- & Druck-Geiste, von den frühen Bangles über Go-Go's bis hin zu Blondie, sind es die immer wieder treffenden Vergleiche zu den männlichen Sinnes-Verwandten, die das Power-Prachtwerk zu einem solch wirksamen Wecker machen: Die rohe Romantik der Ramones, der Smiths-Gitarrentwang, knackige Fischer-Z-Rock-Riffs und der zickige Elektro-Funk der Talking Heads, spontane Punk-Wut-Ausbrüche, Rock'n'Roll-Schmachtballaden, glatt-gelackt-packender Wave-Pop und griffiger Glam-Rock pflastern den bremsfreien Fall durch die zwölf Kraftpakete (und der Vielhörer wird auch noch Analogien zu den Donnas, den Blake Babies, den Moldy Peaches oder Peter, Björn & John erkennen, aber das würde ja mein schönes Letztes-Jahrhundert-Bild zerstören). Und dennoch ist diese rüde Rolle rückwärts komplett das Kind des Hier und Jetzt, rauben uns hier 12 Clavin-Originale den Schlaf, tragen uns mit Vehemenz, Verve und Wucht durch den Tag und bezaubern uns gleichzeitg mit einem vokalen Liebreiz, der der herzlichen Härte die verlockende Krone aufsetzt. Lautstark-liebenswerte, betörend-brachiale, heftig-harmonische Weck-Attacke auf weichgespülte Sinne. (cpa)

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