Neil Young: Carnegie Hall 1970 - Hilfe
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Neil Young - Carnegie Hall 1970

Cover von Carnegie Hall 1970
Neil Young
Carnegie Hall 1970

Label Reprise
Erstveröffentlichung 01.10.2021
Format 2-LP
Leider nicht verfügbar.
Rezension

In der langen und ruhmreichen Karriere Neil Youngs gibt es einige Auftritte, die dank der zweifelhaften (und rückblickend dennoch geschätzten) Praxis des „Bootleggings“ ein besonders mythischer Ruf umweht.
 
Reprise Records kündigt nun mit dieser ersten Ausgabe Carnegie Hall 1970eine neue Reihe an The Neil Young Official Bootleg Series . 2022 sollen fünf weitere Ausgaben der Reihe erscheinen.

Die erste Veröffentlichung Carnegie Hall wurde aufgenommen auf originalen analogen Mehrspurbändern und von „The Volume Dealers“ alias Neil Young und Niko Bolas abgemischt. Diese Aufnahme stammt von dem Konzert am 4. Dezember 1970 ein musikhistorischer Moment, denn es war das erste Mal, dass Neil Young die Bühne der berühmten New Yorker Konzerthalle betrat. Es gab zwei Auftritte in der Carnegie Hall, einen am 4. Dezember und einen weiteren um Mitternacht am nächsten Morgen. Diese erste Show wurde nie von Bootleggern aufgezeichnet und war laut Young das weitaus bessere Konzert.

Die reichhaltige Setlist des Abends deckt eine der gemeinhin am meisten verehrten Phasen von Youngs Karriere ab, mit zurückgenommenen Versionen von „Everybody Knows This Is Nowhere“, „Down By the River“, „Helpless“ und „Sugar Mountain“ sowie „After the Goldrush“ vom gleichnamigen Album, das nur neun Wochen vor dem Auftritt in der Carnegie Hall veröffentlicht wurde. Neil spielt sogar die ergreifenden Songs „Bad Fog of Loneliness“, „Old Man“ und „See the Sky About to Rain“, bevor sie aufgenommen und veröffentlicht wurden. Kurz gesagt: Carnegie Hall ist ein Album voller Juwelen.

Unser Rezensent hat's schon gehört:

Schon wieder startet er eine neue Reihe: „The Neil Young Official Bootleg Series“. Vermutlich alles komplett Konzerte, wie dieser Teil 1, aufgenommen am 4.12.1970 (das Besondere: Die existenten Bootlegs stammen von der 2. Show, dieses Set von der laut Neil erheblich besseren 1., gänzlich unbekannt). Die originalen Mehrspurbänder wurden verwendet, der Sound ist gut, er spielt solo (6 der 23 Songs am Piano, sonst Akustikgitarre, 91 Minuten lang). Ein durchweg „schlichtes“ ganz außergewöhnlich schönes Konzert ohne Schwächen, über weite Strecken ausgesprochen zart/sanft (auch im Vergleich mit den Studiofassungen der Balladen der Zeit), es liegt eine eigentümliche und sehr reizvolle Atmosphäre über vielen Stücken nicht Melancholie, aber auf dem Weg dorthin. Und seine Stimme klingt einfach fabelhaft, tadellos, immens gefühlvoll phrasierend, ein feines/kaum wahrnehmbares Vibrato hier und da, phasenweise regelrecht verzaubernd. Dargeboten werden große Teile der gerade erschienenen LP After The Gold Rush (inkl. einem erst kürzlich veröffentlichten Outtake), die 3 besten Songs von Everybody Knows (Cinnamon Girl, Cowgirl In The Sand, ein frappierend anrührendes Down By The River), vom Debut nur Loner (herausragend und kontrastreich, v.a. der Gegensatz zwischen weicher Stimme und stark rhythmisch und härter orientierter Gitarre was auf mehrere Tracks zutrifft), 2 Stücke „aus der Zukunft“ (Old Man von Harvest 2 Jahre später, See The Sky About… 4 Jahre später! Beides definitive Highlights), gleich 5 noch aus Buffalo Springfield-Zeiten (u.a. I Am A Child und das ungemein ausdrucksvolle Expecting To Fly, klasse!), Dance Dance Dance stammt vom Crazy Horse-Debut (ohne Young), 3 Tracks waren erstmals von CSNY zu hören (darunter Ohio, On The Way Home), Bad Fog Of Loneliness erschien erst 2007 auf Live At Massey Hall. Außerdem großartig: Helpless, Southern Man, Ohio, After The Goldrush (unorthodoxes harmonisch z.T. gewagtes Piano, super!) und Sugar Mountain (interessant und witzig, wie er mit dem Publikum umgeht, 3x den Song neu beginnen muß, ihn im 3. Versuch ganz anders intoniert, superzart, und dann ganz langsam anzieht, 7 Min. dauert das). Bleibt die obligatorische Gretchenfrage: Brauch ich das auch noch? Muß ich, wie schon bei Way Down… und Young Shakespeare kürzlich, mit „Ja“ beantworten (was in den 20 Jahren zuvor längst nicht immer der Fall war). (detlev von duhn)

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