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Lou Reed - New York (Limited Deluxe Edition)

Cover von New York (Limited Deluxe Edition)
Lou Reed
New York (Limited Deluxe Edition)

Label Rhino
Erstveröffentlichung 25.09.2020
Format 3 CDs+2 LPs+1 DVD
Lieferzeit 4 – 7 Werktage
Preis 59,95 € (inkl. MwSt. zzgl. Versand)
Rezension

Neuer Klang, viele Extras, CDs, LPs, DVD: Dieses Set hat einiges zu bieten.
Lou Reeds 1989er Albumklassiker »New York« als als umfangreiche Deluxe-Ausgabe mit spannendem Bonusmaterial.

Die »New York«-Deluxe-Edition kommt als Set mit drei CDs, einer DVD und zwei LPs. Neben den neu gemasteren Originaltracks wartet eine Liveversion des gesamten Albums auf CD, zusammengestellt aus mehreren Perfomances von Lou Reeds Tour 1989. Zu den weiteren Highlights der Sammlung gehören der Non-Album-Track »The Room«, eine Akustikversion von »Busload Of Faith« und die Single-Version von »Romeo Had Juliette«.

Die enthaltene Doppel-LP umfasst das remasterte Album. Die DVD enthält das »The New York Album«-Konzertvideo, das ursprünglich 1990 auf VHS und Laserdisc veröffentlicht wurde, aber bisher noch nie auf DVD erhältlich war.


Nach einer längeren Flaute war “New York” für Lou Reed die Rückkehr ins Tagesgespräch, und in der Tat war diese Scheibe sowohl ein beeindruckendes Spiegelbild der Abgründe einer Stadt, zu der Lou Reed ohnehin schon immer ein besonders intensives Verhältnis hatte, als auch Ausdruck einer wiedererstarkten Künstlerpersönlichkeit. Mit der gleichen leichten Grandezza wie bei frühesten Demoaufnahmen zu Velvet Underground-Zeiten gelang es ihm, mit kurzen, prägnanten Songs die Atmosphäre der Stadt und der Strassen besser einzufangen als sonst jemand, geschweige denn, dass es im Popbusiness sonst jemand gewagt hätte, so in die Mülleimer und unter die Brücken von Brooklyn zu sehen, und sei es auch nur auf Vinyl.

Die Grundlage dieses durch und durch „naturgetreuen“ Musikkaleidoskops in Schwarz-Weiß war mit Sicherheit die unkomplizierte Herangehensweise seiner drei Mann-Band mit Mike Rathke an der Gitarre, Rob Wasserman am Bass und Co-Produzent Fred Maher an dem Drums. Bei zwei Stücken half Maureen „Moe“ Tucker aus, ansonsten galt: spartanische Arrangements mit einem staubtrockenen Rock’n’Roll-Feeling, und Lou Reed sang, besser: sprach seine wunderbaren Songpoeme mit solch atemberaubender Intensität ins Mikrofon, so dass man schon vom ersten Ton an gefangen war. Möglicherweise sein bestes Album neben „Berlin“, auf jeden Fall das wichtigste der letzten zehn Jahre und ein Startschuss in die 90er durch die Bestandsaufnahme eines desaströsen Amerikas der 80er Jahre, geprägt von Reagans Politik, Aids, Gewalt und Hoffnungslosigkeit. All diese Dinge und einiges mehr sind Themen der Songs, präzise bis ins Detail und von zynischer Kraft wie lange nicht mehr.

„Romeo Had Juliette“ war der rockende Auftakt, mit „Halloween Parade“ äußerst sich Lou Reed unmissverständlich zu den Auswirkungen von Aids in Freundeskreisen, ein im Endeffekt deprimierendes Lied zu einer eigentlich fröhlichen Musik und lustigen Textpassagen, denn das abschließende „See You Next Year“ war eindeutig. Auf dem „Dirty Boulevard“ geht’s ohnehin gleich noch mal rauer zu, ein erster Höhepunkt des Albums. Gleiches gilt für das gehetzte „There Is No Time“, ein klasse Beispiel, wie Musik und Text bestens harmonieren können. Wundervolle, intime kleine Songs wie „Endless Cycle“, „Great American Whale“ und „Beginning Of A Great Adventure“ verlagern die Thematik etwas mehr nach innen („The truth is they’re happier when they’re in pain, in fact that’s why they got married“), durchsetzt von schwarzem Humor und feiner Ironie. Danach geht es mit „Busload Of Faith“, „Sick Of You“ und „Hold On“ zu den vielleicht besten und abwechslungsreichsten Liedern der Platte. „Goodevening Mr. Waldheim” und „Strawman“ setzen Maßstäbe, mit welcher Eleganz, Energie und Leichtigkeit politische Themen im Popsong angegangen werden können, ohne in Sektierertum oder missionarischen Eifer zu verfallen. „Xmas In February“ ist noch einmal eine ungeschminkte Momentaufnahme des amerikanischen Vietnam-Traumas (ähnlich gut wie Randy Newmans „Song For The Dead“ ein paar Jahre zuvor auf „Trouble In Paradise“), welches nun niemand mehr zu interessieren schien.

„Dime Story Mystery“ ist der einzige Song, der aus dem Rahmen fällt, verweist er doch schon auf die kommende Platte „Songs For Drella“ mit John Cale, indem er Reeds problematische Beziehung zu Andy Warhol andeutet, welcher allerdings ohnehin ein New Yorker par excellence war, deshalb ist dieses poetisch verklärte „Geheimnis vom billigen Jakob“ sicherlich auch ein gelungener und würdiger Schlusspunkt unter ein Meisterwerk, auf welchem man nun wirklich keinen schlechten Song findet und das deshalb auch durch seine großartige Geschlossenheit und Aura besticht.

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Foto von Ecstasy

Lou Reed

CD Ecstasy
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