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GLITTERHOUSE

Yann Tiersen: All - Hilfe
hilfe

Yann Tiersen - All

Cover von All
Yann Tiersen
All

Label Mute
Erstveröffentlichung 15.02.2019
Format 2-LP
Lieferzeit 4 – 7 Werktage
Preis 26,95 € (inkl. 19% MwSt. zzgl. Versand)
Rezension

So nah mir der Bretone einst stand (sein L'Absenté-Album zählt bis heute zu meinen zehn Insel-Platten), so nachhaltig hatten sich unsere Pfade in der Zwischenzeit voneinander fortbewegt, seine letzten Werke drangen gar nicht mehr bis an mein Ohr. Welch Glückes Geschick, dass ein schicksalsgleicher Zufall diese 2019er Elf-Epen-Elegie zu mir trug, konnte ich den heimatverbunden-weltmusikalischen Vielinstrumentalisten, Klangbildmaler, Song-Schaffenden doch hier neu entdecken, schätzen und verehren lernen. Bereichert um allerlei zart zugefügte Field Recordings von Vogelgezwitscher über Kuhglockengeläut bis hin zu Aufnahmen vom Berliner Tempelhof-Gelände lässt Tiersen nahezu im instrumentalen Alleingang Klangkostbarkeiten zwischen raumgreifend schwebendem Klangteppich bis hin zu klassischem Liedgut entstehen, dabei seine ganze Kunst am Klavier, Synthesizer und anderem Tastenwerk, an allerhand Saiteninstrumenten, tönendem Schlagwerk und natürlich der Violine ausspielend, aber fast gänzlich auf die uns allen noch im Ohr tanzende 6/8-Beschwingtheit der wunderbaren Amelie-Welt verzichtend, sondern sich in spürbar naturverbundenen elegischen Weiten ergehend, sich ganz der ehrlichen Emotion hingebend. Wie aber schon bei L'Absenté weiß er auch hier in dem ebenso kunst- wie gefühlvollen Gesamtbild zwischen französischer Folklore, barockem Largo, getragenem Chanson und Incantations-inspirierten Klang-Schöpfungen eines frühen Oldfield angeheiratete und geistesverwandte Gast-Sänger vokale Glanzlichter setzen, die mal Engelschor-gleich, mal wurzelverbunden eigensinnig, mal melodieselig, mal tief unter die Haut deklamierend den Klang-Kostbarkeiten seligmachende Song-Gestalt verleihen, wobei nicht nur Emilie Tiersen (die Lisa Germano-gleich ihre versonnenen Worte in den traumgleichen Nebel schickt), sondern auch wohlgewählte Gastvokalisten wie Anna von Hausswolff oder Gaelle Kerrien ausschließlich die bretonische Sprache zu Wort kommen lassen, nur Olavur Jakupsson bedient sich der Faröer Zunge. Nicht zuletzt durch die faszinierend fremdartige Wirkung des keltischen Idioms entsteht hier ein fesselnder Klang-Kosmos, der den Hörer dauerhaft fesselt und gefangen nimmt. Die wunderbare Leichtigkeit der Melancholie in bleibende Elegien gegossen, der akustische Atem eines friedvollen Sonnenuntergangs an der bretonischen Küste. (cpa)

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