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Mirja Klippel: River Of Silver - Hilfe
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Mirja Klippel - River Of Silver

Cover von River Of Silver
Mirja Klippel
River Of Silver

Label Stargazer
Erstveröffentlichung 19.10.2018
Format CD
Lieferzeit 4 – 7 Werktage
Preis 13,95 € (inkl. 19% MwSt. zzgl. Versand)
Rezension

Mirja Klippel macht einfach alles anders, und damit alles richtig. In Zeiten des gestreamten Schnell-Song-Verbrauchs schafft sie ein gepflegtes, volles, physisches Album, anstatt verstärkt auf Keyboard- & Klang-Gimmicks zu setzen, lässt sie reines Saiten-Feinwerk wirken, verwirrt den Folk-Puristen aber gleich wieder mit wild fabulierenden E-Gitarren-Irrlichtern. Dem Freund gewöhnlicher Singer-Songwriter-Kunst räumt sie dem inspiriertem Instrumentalspiel zu viel Platz ein, dem Handwerks-Fetischisten wird das schillernd-bewegte Saitenspiel zu gefühlsgeleitet sein (dabei ist es für den reinen Roots-Hörer eindeutig zu gewandt), und während der Liebhaber klarer Linien den herrlich mäandernden Melodien wenig abgewinnen kann, wird der politisch korrekte Folk-Hörer an der unwiderstehlichen Ohrgängigkeit der neun Originale schier verzweifeln. Deutlich vom Folk her kommend, kümmert sich die stimmlich wie spielerisch beeindruckende Dänin wenig um Sortenreinheit, lässt skandinavische, amerikanische und britische Wurzeln gleichermaßen in ihren mal sanften, mal stürmischen Weisen zu Wort kommen, verzichtet zwar gänzlich auf konventionelle Perkussion, setzt aber dennoch immer wieder auf rhythmische Akkordbegleitungen, die den betörten Hörer zum Mitschwingen, -wippen, -wiegen zwingen. Von wenigen weiteren Klang-Zugaben auf Waldzither, Mandocello, Bass und dezent gesetzten Tontechnikspielereien abgesehen wird der Klangraum allein durch zwei Gitarren gefüllt, und während Mirjas Akustik-Akkorde mal dezent aufgelöst, mal deftig drängelnd die berührende Basis für die ebenso gefühl- wie kunstvollen Lieder legen, liefert Alex Johnssons E-Gitarre herrlich verspielte, gern auch aus der gewohnten Rolle fallenden Extravaganzen. Bei aller scheinbaren Überschaubarkeit des instrumentalen Raums fehlt es an nichts, füllen wenige, gefühlstiefe Klänge ganze Schallhallen, liegt die Kunst mitunter sogar im großartigen Spiel mit den luftigen Lücken zwischen den Tönen. Wirklich wirksam wird der Zauber der betörend schönen Wurzel-Pop-Weisen aber erst durch die vom ersten Moment an final faszinierende Stimme im vokalen Wolkentraumland zwischen Rosie Thomas, Mae McKenna, Julianne Regan und Cara Dillon, die sich mühelos ihren bewegten Weg durch wechselnde Gefühle bahnt, in sanften Höhen und samtdunklen Tiefen die Sinne berührt, und bei aller verführerischen Verletzlichkeit eine lebensbejahende Kraft verströmt, die selbst in melancholischen Moll-Momenten noch ein Lächeln zaubert. Karges wie klangvolles, wohltönendes wie wortgewandtes, kunst- wie gefühlsreiches akustisches Aufbäumen gegen Grenzen und Konventionen, ein Folk-Diamant für Filigran-Pop-Feinschmecker, eine emotions- und energiesprühende Entdeckung für Freunde verzaubernder Zwischentöne. (cpa)

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