Arooj Aftab, Vijay Iyer & Shazad Ismaily: Love In Exile - Hilfe
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Arooj Aftab, Vijay Iyer & Shazad Ismaily - Love In Exile

Cover von Love In Exile
Arooj Aftab, Vijay Iyer & Shazad Ismaily
Love In Exile

Label Verve
Erstveröffentlichung 24.03.2023
Format LP
Lieferzeit 4 – 7 Werktage
Preis 38,95 € (inkl. MwSt. zzgl. Versand)
Rezension

23er der fabulösen Komponistin, Sängerin und Multi-Instrumentalistin Arooj Aftab aus Pakistan, die seit einiger Zeit in den USA lebt. Vor 2 Jahren war sie mit dem grandiosen Vorgänger "Vulture Prince" zu beträchtlicher Bekanntheit gekommen, Grammy-geehrt und das Album tauchte gar in Barack Obamas privater Playlist auf. Hier nun ihr neues (Gemeinschafts-) Werk mit der brillanten Jazz-Piano-Ikone Vijay Iyer (der auch ein E-Piano einsetzt) und Shazad Ismaily, zuständig für Bass und Synthie (der gelegentlich Orgel- oder Vibrafon-artige Klänge produziert).

Alle drei zeichnen gleichberechtigt für dieses wiederum so superbe, wie ziemlich einzigartige Album. Allerdings ist dies gänzlich anders und sparsamer instrumentiert als "Vulture Prince". Dessen noch recht deutlich transportiertes multiples Folk-Flair fehlt hier nun weitgehend, selbst pakistanische Einflüsse tauchen ausschließlich im exquisiten, klaren, kraftvoll souveränen Gesang auf, der mittelasiatisch phrasierend eben manchmal „orientalisch“ anmutet.

Als erstes hören wir eine wundervolle, gleichzeitig dunkle wie helle, luftige Soundkulisse aus tropfendem Piano, „Orgel“-Flächen und dräuendem Bass. Nach ein paar Minuten kommt ihr Gesang hinzu (während das Piano nun phasenweise ein bischen an Minimal Music erinnernde perlende Läufe spielt, der Bass pocht) verzaubernd, hypnotisch, jenseits aller gängigen Kategorien. Es ist eine Art Blueprint für das, was folgt. Die zweite Nummer ähnelt in der Atmosphäre eindeutig dem Opener, klingt aber eher „neutral“ (weder hell noch dunkel), dafür kontemplativ, Piano und Orgel-Klänge werden von E-Piano, Synthie und Vibrafon-ähnlichen Tupfern ersetzt, die etwas anders agieren, mehr schweben (bis auf den Bass). Nach einer gewissen Zeit sorgen die Instrumente für rhythmische vernetzte Strukturen. Genauso faszinierend wie der Beginn! Viel später folgt ein ähnlicher Track, noch schwereloser, introvertierter, reduzierter, und ohne rhythmische Komponente. Nr. 3 ist irgendwo zwischen 1 und 2 angesiedelt, verwendet nur Bass, Vocals und ein Piano, das anfangs kurz noch einmal Minimal-Gefilde streift, dann aber etwas agiler improvisiert, freilich weiter in ruhigem, friedlichem Setting, mitsamt ein paar rhythmischen Eckpfeilern, dezent raumfüllend. Hier schimmert Iyers Jazz-Background klar durch. Das folgende Stück ist relativ ähnlich konzipiert (auch die Instrumentierung), inklusive Bass-Ostinato, das Piano ist nicht ganz so aktiv. „Sharabi“ schließlich verwendet vor allem sanfte melodielose Synthie-Schleifen als Background für die (wie im Übrigen bei allen Stücken) nur dann und wann in Erscheinung tretende Stimme, und wirkt erneut schwerelos/schwebend und introspektiv, z.T. ein bischen Ambient-mäßig. Spät kommen (E-) Piano und Orgel-artige Klänge hinzu.

6 Stücke, zwischen 8 und 14 Minuten lang, die allesamt verzaubern, und ein glorioses Gesamtwerk ergeben. Eine große, dicke Empfehlung! (detlev von duhn)

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