Cecile McLorin Salvant: Ghost Song - Hilfe
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Cecile McLorin Salvant - Ghost Song

Cover von Ghost Song
Cecile McLorin Salvant
Ghost Song

Label Nonesuch
Erstveröffentlichung 04.03.2022
Format CD
Lieferzeit 4 – 7 Werktage
Preis 17,95 € (inkl. MwSt. zzgl. Versand)
Rezension

22er der 3-fachen Grammy-Gewinnerin, eine der z.Zt. besten Jazz-Sängerinnen weltweit, die bislang nicht pur, aber mit Vorliebe, alten Jazz-Vorlagen der 50er bis 60er verbunden war (unter Einschluß von Blues-Elementen hier und da), wenn auch durchaus teilweise variablerer eigenständiger Natur.
Nun aber für meinen Geschmack nicht nur ihr eindeutig bestes (phasenweise absolut brillantes) Werk abliefert, sondern auch mit großem Abstand das entdeckungsreichste, abenteuerlustigste, experimentierfreudigste, agiler und abwechslungsreicher als je zuvor. Was sich ein bisschen schon in der Besetzung ankündigt, zwar steht wie immer das Piano im Zentrum, wird jedoch vielfältig, reiz- und wirkungsvoll oft ergänzt, von Flöte (recht gern, exquisit), E-Gitarre, Laute, Synthie, Orgel, Banjo, E-Piano. Hinzu kommen 2 gloriose ganz oder überwiegend unbegleitete Stücke, gesungen in gälischer Vokaltradition: Ein tief berührender englischer Folk-Song aus dem 15. Jahrhundert mit old-timey-Flair und, ich staune, Kate Bushs geniales Wuthering Heights, engelsgleich, himmlisch interpretiert. Nun ist es zwar keineswegs so, daß sie alle Traditionen links liegen läßt, ganz im Gegenteil, aber die Inspirationsquellen sind erheblich weiter gefaßt als bei ihr üblich, manchmal zudem auf überraschende Art umgesetzt, noch persönlicher, individueller. Wozu paßt, daß erstmals über die Hälfte der Tracks aus eigener Feder stammen (weitere Covers kommen von Sting, Harold Arlen/Gregory Porter, Brecht/Weill). Gleich nach dem Opener (besagtes Wuthering Heights) setzt sie sich zwischen alle Stühle, instrumental (mit E-Gitarre, Banjo und Flöte), atmosphärisch und stilistisch, rasantes Banjo-Gehacke wird gefolgt von wunderschöner becircender Balladen-Poesie (der Großteil des Songs), kurzzeitig Free Jazz-Elemente inklusive, zudem korreliert der langsame Groove nicht unbedingt reibungslos mit dem Rest das klingt in meinen Ohren überaus reizvoll. Im weiteren Verlauf bewegt sie sich zwischen verfremdeter Piano-Tradition (solo), erwähntem Brecht/Weill-Bezug (relativ authentisch, kontrastreich, ständige Tempiwechsel), einer feinfühligen exquisiten bluesigen Ballade mit superben Harmony Vocals, auf seltsamen Free/Klassik-Spuren mit rapid-fire-Gesang (kurzer Track), einem Mix aus Nina Simone, 40s/50s-Jazz, speedy Beats und verfremdeten Folklorismen (quirlig, lyrisch, lustvoll und toll!), einem berauschenden Neo-Avantgarde-Klassik-Drama in Kurzfassung mit Minimal Music-Spuren und großer prächtiger Kirchenorgel, sowas wie minimalistischem angefolktem Jazz, zart und leise, schließlich dann doch noch einer klassischen old-fashioned-Piano-Trio-Jazz-Ballade. Und über allem thront ihre großartige Stimme, eh über jeden Zweifel erhaben. Große Empfehlung. (detlev von duhn)

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