James Brandon Lewis Quartet: Code Of Being - Hilfe
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James Brandon Lewis Quartet - Code Of Being

Cover von Code Of Being
James Brandon Lewis Quartet
Code Of Being

Label Intakt
Erstveröffentlichung 29.10.2021
Format CD
Lieferzeit 4 – 7 Werktage
Preis 18,95 € (inkl. MwSt. zzgl. Versand)
Rezension

21er, einer meiner derzeitigen Lieblings-Jazzmusiker, im Quartett mit seinem Tenorsax und exquisitem Piano. Vorhersehbares bekommt man bei ihm nicht, weder, was die jeweils neuen Alben als solche betrifft, noch im Ablauf der Stücke.

So gibt es auch hier sehr viel Abwechslung und Überraschungen: Rhythmisch ungewöhnlich agilen bis fast quirligen federnden (und eben unberechenbaren) Post Bop, ausnehmend wach, partiell melodisch, intensiv, besonders das Piano nimmt sich große Freiheiten, das Sax entwickelt (kontrastierend) Poesie und Strahlkraft. Track 2 atmet noch mehr Freiheit, jetzt auch das Sax (strukturell in ewiger Bewegung, irgendwie ruhelos-getrieben, bis hin zu regelrechtem Free Jazz, freilich kontrolliertem, nie ekstatischem), doch mehrfach von melodiezentrierten Passagen durchsetzt, sowie von vielfach wiederkehrenden teils repetitiv angelegten aber auch variierten Zentralmotiven.

Es folgt eine tastend-freihändig-balladeske bzw. Kammermusik-Tendenz, Piano und Bass punktieren vornehmlich, das Sax bläst weiche ruhige Linien. Dann ein vollkommenes Faszinosum: Geschichtete Musik, bei der das Piano teilweise von allem Drumherum unbeirrt nach vorne marschiert/rollt, ob repetitiv, motivgesteuert oder in kurzen freien Stößen, die Drums großteils stur und ziemlich unakzentuiert dauer-rollt, das Sax non-stop kurze oder längere Ton-Kaskaden losläßt, teils quasi um sich selbst rotierend jeder in seinem eigenen Rhythmus/inneren Fluß, mirakulöserweise irgendwie (polyrhythmisch) zusammenwachsend. Ganz schön originär, frappierend, phänomenal!

Der traumhafte Titeltrack beinhaltet sehr weit avancierten Post Bop mit dezenten Free-Spitzen, energie- und ereignisreich, ein melodisch gar wundervolles Haupt-Thema (im Tempo etwas anders geblasen als die Begleitung, ruhigere, langgezogene Töne). Letzteres trifft auch auf das klar längste Stück zu, eine hinreißende geradezu erhabene Melodie, die mich entfernt an Gato Barbieri oder Charlie Haden erinnert (samt leicht folkhaftem Flair), die variiert wird und immer wieder auftaucht das Ganze nun allerdings im spirituell angehauchten freien Rahmen (mit kurzzeitig gestrichenem Bass, beinahe Drone-artig), der später in einen flexibel tanzenden Latin-beeinflußten Modus wechselt (mit genauso schöner verwandter Melodik!). Herrlich!

Das leichtfüßig Tanzende setzt sich in der nächsten Nummer in z.T. graduell stärker swingender Form fort, teils Ostinato-gestützt, später Post Bop-informiert, melodisch wiederum stark. Zum Schluß wiederholt sich die oben beschriebene mehrschichtige rhythmisch Faszinationskraft (jedenfalls in der 2. Hälfte), in anderem (anfangs balladeskem) Rahmen.

Weitere Assoziationen, im Verlauf des Werkes: Coltrane (relativ spät, kurz vor der Free-Phase, im Wesentlichen im Titeltrack); bestimmte Matthew Shipp-Sachen; und David Murray (nicht im Ton, aber im Konzept: Die jeweiligen Grenzerweiterungen in den einzelnen Stücken, besonders in den Sax-Soli zum Beispiel, aber auch ein paar Mal stilistische Parallelen). Das Album erfordert in der 1. Hälfte eine sehr sehr hohe Konzentration wie wenige, die ich in der letzten Zeit gehört habe (auch wegen der fast nie nachlassenden enormen Intensität), ist dort nicht ganz leicht zu konsumieren, gibt dann aber umso mehr zurück. Das ändert sich freilich in Hälfte 2, die entwickelt zumindest bei mir mit aller Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit eine ungeheure Sogwirkung. Fazit: Eine halbe Stunde (der 67 Minuten) absolute Weltklasse, der Rest ganz hervorragend. Ergibt eine große Empfehlung. (detlev von duhn)

Tracklisting
1 Resonance (7:42)<
>2 Archimedian (7:34)<
>3 Every Atom Glows (5:18)<
>4 Per 4 (8:36)<
>5 Code Of Being (7:52)<
>6 Where Is Hella (13:03)<
>7 Per 5 (8:25)<
>8 Tessera (8:47)