Black Flower: Magma - Hilfe
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Black Flower - Magma

Cover von Magma
Black Flower
Magma

Label SDBan Ultra
Erstveröffentlichung 11.02.2022
Format CD
Lieferzeit 4 – 7 Werktage
Preis 17,95 € (inkl. MwSt. zzgl. Versand)
Rezension

22er. Wenn ich richtig informiert bin, ihre 4. LP. Ziemlichen Wirbel verursachten sie schon früher (z.B. der Ritterschlag von Gilles Peterson, „brillant“), das wird sich hiermit nicht ändern. Ein wahrhaft aufsehenerregendes, zukunftsweisendes und innovatives Werk von großer Klasse! Wobei ihre Klassifizierung als „Ethio-Jazz“ (mehrfach zu lesen) viel zu kurz greift. Klar gibt es immer wieder Rückgriffe auf diese genuin äthiopische Art des Jazz (von Mulatu Astatke & Co), mal sehr deutlich, mal gering (oder auch ganz fehlend!), doch zum einen ist ihre Spielweise eigenständig, neuartig, originär (man könnte z.B. von einer punktuellen innovativen Weiterentwicklung sprechen), zum anderen kommt eine Menge mehr an Einflüssen hinzu: Nordafrikanische (mehrfach) respektive arabische, orientalische, teils nur in Spuren, teils ziemlich massiv, zwischendurch so etwas wie Fusion-Jazz in richtig gut, in mindestens der Hälfte der Stücke begeistern mich zudem wundervolle faszinierende Sounds, die ein so überraschendes wie prägendes psychedelisches Flair ausstrahlen! Daneben taucht 1,2 Mal ein Hauch Electronica auf. Und die verwendeten Grooves sind (natürlich) großteils andere als damals in den 70ern in Äthiopien, teils sehr „modern“ anmutend („Club-style“-Tendenz, gewissermaßen u.a.), manchmal schön verschleppt, hier gar ein bischen funky oder filigran tanzend, dort herrlich „schwankend“ oder dezent vertrackt, gelegentlich in unüblicher Weise polyrhythmisch (was auf parallele differierende Rhythmik von Melodie-Instrumenten zurückgeht, quasi ein Spiel auf unterschiedlichen Ebenen).

Jazz steckt überall drin, aber nie pur, nie konventionell, keinerlei tradierte Stile, ich würde es „zeitgemäß“ nennen. Und schließlich fällt ein Song endgültig aus dem Rahmen, schon, weil er (klaren) Gesang aus einem eindeutig anderen Genre beinhaltet (der im Kontrast zur Musik steht und dennoch bereichert), von der ausgezeichneten belgischen Singer-Songwriterin Meskerem Mees (deren neues Album ebenfalls hier kürzlich besprochen wurde), das Ergebnis ist unkategorisierbar, meinetwegen „freigeistiger Songwriter-Pop meets zeitgenössische Grooves und Ethno-, Elektro- und Jazz-Elemente“. Außergewöhnlich (und reizvollst) ist ansonsten auch die Instrumentierung: Orgel und Synthie, Sax, Kornett, viel feine Flöte, exquisites differenziert-überlegtes Schlagwerk. Jedes Stück ist/klingt anders, die stilistischen und instrumentalen Schwerpunkte wechseln ständig, agiles Spiel trifft auf suggestives, Trance-Feeling und hypnotische Phasen (kurze repetitive Motive inklusive, wenn auch seltener), die transparenten Arrangements kommen meist angenehm luftig (und attraktiv!), teilweise kreisen die Instrumente umeinander/verflechten sich gekonnt. Stücke wie der Titeltrack, Half Liquid oder The Forge strahlen eine ungeheure Faszinationskraft aus! Große Empfehlung. P.S.: Genauso überraschend bis verblüffend wie die Musik ist das Herkunftsland der Gruppe: Belgien. (detlev von duhn)

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