Various Artists: Eins und Zwei und Drei und Vier - Deutsche Experimentelle Pop-Musik 1980-86 - Hilfe
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Various Artists - Eins und Zwei und Drei und Vier - Deutsche Experimentelle Pop-Musik 1980-86

Cover von Eins und Zwei und Drei und Vier - Deutsche Experimentelle Pop-Musik 1980-86
Various Artists
Eins und Zwei und Drei und Vier - Deutsche Experimentelle Pop-Musik 1980-86

Label Bureau B
Erstveröffentlichung 01.10.2021
Format 2-LP
Lieferzeit 4 – 7 Werktage
Preis 25,95 € (inkl. MwSt. zzgl. Versand)
Rezension

In Echtzeit gab es damals ziemlich viel Compilations, die die bundesdeutsche DIY-Aufbruchsstimmung der frühen 80er dokumentierten wenn auch meistens unter NDW und ihren Folgen. Mit zeitlicher Distanz gewinnt jene Epoche deutschen Popschaffens (mehr oder weniger im Underground) meines Erachtens wieder deutlich an Reiz. Fast 40 Jahre später klingen viele Produktionen noch immer frisch und kühn, innovativ bis kratzbürstig. Der Kniff lag darin, eben einfach mal alles selbst zu machen ganz ohne rockistische Haltung und auch ohne größere technische Fähigkeiten. Anfangs lo-fi, später mit wachsenden Indie-Label und Strukturen oft auch erstaunlich professionell. Gefragt waren Ideen und musikalischer Wagemut, statt konventionellem Muckertum. Während NDW zu Tode vermarktet wurde, entwickelten sich „geniale Dilettanten“ zu ernstzunehmenden Musikern und etablierten Künstlern. Gute Zeiten jedenfalls für experimentierfreudige und von vielen Fesseln befreite deutschsprachige Popmusik, die sogar kleine Hits wie „Eine Königin mit Rädern unten dran“ (Foyer des Arts mit Max Goldt) oder „Wir bauen eine neue Stadt“ (Der Plan) hervorbrachte beide auch auf dieser gelungenen Zusammenstellung aus dem Hause Bureau B zu finden. Mit teils billigem Equipment, aber ganz viel Enthusiasmus wurde mit der Haltung von Punk einfach losgelegt. Dabei entstand in Hamburg, Düsseldorf und Berlin (aber auch in der Provinz) viel Albernes und Unfertiges, aber auch Schönes, Spannendes und Bleibendes. Unter den 20 Songs finden sich fast vergessene Perlen wie der Dub-Reggae von Dunkelziffer, der ballernde Funk von den Zimmermännern („Erwin das tanzende Messer“) und Conrad Schnitzlers Postpunk-Version von Kraftwerk („Auf dem schwarzen Kanal“). Bekanntere Namen wie Andreas Dorau, Pyrolator, Östro 430, Die Radierer und Holger Hiller treffen auf Untergrund-Helden wie Xao Seffcheque, Asmus Tietchens und Die Fische. Für Zeitgenoss*innen ein vitales Neuerleben, für Jüngere vermutlich ein leicht bizarrer Trip. (Joe Whirlypop)

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