Beth Orton: Weather Alive - Hilfe
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Beth Orton - Weather Alive

Cover von Weather Alive
Beth Orton
Weather Alive

Label Partisan Records
Erstveröffentlichung 23.09.2022
Format CD
Lieferzeit 1 – 3 Werktage
Preis 15,95 € (inkl. MwSt. zzgl. Versand)
Rezension

Beth Orton, die in den 90er Jahren durch ihre Zusammenarbeit mit William Orbit, Red Snapper und The Chemical Brothers zu erster Bekanntheit gelangte, bevor sie mit einer Reihe von hochgelobten und preisgekrönten Solo-Veröffentlichungen auf sich aufmerksam machen konnte, schlägt mit Weather Alive - ihrem ersten Album seit sechs Jahren - ein neues, spannendes Kapitel in ihrer nunmehr 30-jährigen Karriere auf und kehrt den Blick nach innen.

Album Nummer sieben der englischen Singer-Songwriterin ist eine sensorische Erkundungsreise. Kein fertiges Meisterwerk, sondern eine Momentaufnahme, die von inneren Kämpfen zeugt, aber auch von Akzeptanz und Heilung. Und vielleicht auch die Antwort auf die Frage wie Springsteen's karges Meisterwerk Nebraska klingen würde, kämen Drums zum Einsatz und würde nicht der Boss sondern Solange singen. Oder würde man Ambient-Meisterwerke wie Talk Talk's Spirit of Eden oder David Sylvian's Brilliant Trees mit Alice Coltrane kreuzen und dem Gefühl, das Orton hatte, als sie die verstorbene Jazzgröße zum ersten Mal hörte.

Auf Weather Alive findet sich die BRIT Award-Gewinnerin und zweimalige Mercury Prize-Nominierte, die man erst kürzlich auf ausgedehnter Tour im Vorprogramm von Alanis Morissette erleben konnte und die sich Bühne und Mikrofon schon mit Künstlern wie Patti Smith, Nick Cave, Sinead O'Connor, den Flaming Lips und Beck geteilt hat, zum ersten Mal auch in der Rolle der Produzentin wieder.

Das hört und schreibt unser Rezensent:
22er nach 6 Jahren Pause, u.a. mit Tom Skinner, Shazad Ismaily und Alabaster dePlume freien Geistern also. Was genau dazu paßt, wie sie sich hier präsentiert. Die 8 Stücke sind großteils etwas länger, ungewohnt für sie (okay, vor langer Zeit gab es das schon mal bei ihr). Wenigstens 3,4 davon (und weitere in Ansätzen) kleiden sich in einen eigenen/originären weichen fließenden atmosphärischen Sound, oft (nicht immer) vernebelt irgendwie, die Instrumentierung zeitweise dezent schwebend bzw. schwerelos, filigran verwoben, teils sehr schön flexibel, die Vocals untrennbar/kongenial eingebunden, die Melodieführung unberechenbar, keine offensichtlichen festen Strukturen.

Manches davon gilt auch woanders, Klang und Arrangement wirken dort allerdings deutlich „klarer“, direkter, die Rhythmik nervöser, agiler, zugleich, hmm, handfester, Jazzelemente tauchen auf (nicht zum letzten Mal, doch nie in konventionellem Jazz-Kontext) in der Machart auf gewisse Weise nicht soo weit weg von Astral Weeks (was tatsächlich, wenn auch nur partiell/nicht sehr ausgeprägt, auf mehrere Songs zutrifft). In einem Fall agiert sie „konkreter“, noch klarer strukturiert und klingend, zeitgleich reduzierter und verletzlicher, schmerzlicher, zudem mehr Groove-bezogen.

Bei alldem fällt die große Klangpalette auf, im Zentrum und omnipräsent ein Piano, viele Synthies in verschiedenster Form, gern Sax (mal eher im Hintergrund, mal offensiver), einige optimal integrierte E-Gitarren, ab und zu Flöte, Mellotron, Harmonica, Vibrafon, Posaune. Freilich nicht selten miteinander geradezu verschmolzen.
Ein in sich geschlossenes stimmiges homogenes Ganzes mit gelegentlich meditativer Anmutung es wird nicht jedem alten Fan gefallen, für mich ist es eindeutig ihr bestes Album (und ich stehe damit nicht alleine da). Die häufigen Vergleiche zu den späten Talk Talk in der Presse übrigens würde ich in Beziehung zum Spirit des Albums durchaus nicht als abwegig betrachten, 1,2 Mal vielleicht auch soundmäßig noch halbwegs nachvollziehbar, nicht aber, was das Songwriting betrifft. Klare Empfehlung! (detlev von duhn)

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