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All Diese Gewalt: Welt In Klammern - Hilfe
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All Diese Gewalt - Welt In Klammern

Cover von Welt In Klammern
All Diese Gewalt
Welt In Klammern

Label Staatsakt
Erstveröffentlichung 23.09.2016
Format CD
Lieferzeit 1 – 3 Werktage
Preis 16,95 € (inkl. 19% MwSt. zzgl. Versand)
Rezension

Dies ist das Soloprojekt von Nerven-Sänger Max Rieger, sein zweites eigenes Album erscheint nicht auf Glitterhouse, sondern beim feinen Staatsakt-Label – vielleicht ein weiterer Beweis für die künstlerische Unabhängigkeit der umtriebigen Stuttgarter und ihren zahlreichen Nebenprojekten. Im Vergleich zu den ja oft brachialen Nerven klingt Rieger hier entspannter, der Sound lässt sich als melancholischer Darkrock beschreiben, ebenfalls deutlich in den 80ern verwurzelt, mit verhallten Gitarren-Drones, die dann doch eher an Slowdive erinnern. Also eher Postpunk und Shoegaze statt Spätsiebziger Fehlfarben-Punk. Getragen von Beatbox (aber auch Drums) und einigen atmosphärischen Keyboards, der mächtig-dominante Bass scheint direkt von den Nerven übernommen. Riegers Gitarre ist hier aber subtiler, lyrischer, klangmalerischer. Und als Sänger ist der Stuttgarter einfach nur ganz erstaunlich: keinem anderen deutschsprachigen Zeitgenossen gelingt die Verbindung aus jugendlicher Dynamik und sensibler Gebrochenheit so gut, der Mann ist ein Poet mit fesselnder Ausdruckskraft, dazu auch ein überzeugender Performer. „Welt in Klammern“ gerät leiser, subtiler, auch psychedelischer als der Sound des Mutterschiffs – manches erinnert an Greg Sages Solowerk (Wipers), der Nerven-Noise wird hier kontrolliert und brodelnd unter dem Deckel gehalten. Stattdessen gibt es auch mal fast schon ambientöse Atmosphären mit Piano und Akustikgitarre, aber auch tanzbaren – fast schon - Gothic Rock („Jeder Traum eine Falle“), das erinnert mich doch sehr angenehm an die besseren Darkwaver aus der ersten Hälfte der 80er. Rieger lässt derartige Reminiszenzen aber cool und modern klingen, spacig und hypnotisch, oft stellt sich ein fast meditatives Schweben vor Piano-Loops und soften Beats ein, was man dann gerne auch Dreampop nennen darf. In der zweiten Albumhälfte dominiert dann zunehmend ein leicht verdaddeltes, elegisches, dunkles, krautiges Dräuen, mit mäandernden Feedbacks, analogem Fließen, einmal auch sanftem elektronischem Blubbern ohne Vocals a la Tangerine Dream. Auf seine Weise ebenso großartig wie das imposante Nerven-Oeuvre, komplett ohne fremde Hilfe eingespielt. (Joe Whirlypop)

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