Suche / Search

ON THE DEcKS
on the decks

 ON THE DEcKS 

Anais Mitchell: Young Man In America - Hilfe
hilfe

Anais Mitchell - Young Man In America

Cover von Young Man In America
Anais Mitchell
Young Man In America

Label Wilderland
Erstveröffentlichung 17.02.2012
Format CD
Lieferzeit 1 – 8 Werktage
Preis 14,95 € (inkl. 19% MwSt. zzgl. Versand)
Rezension

Fein-Folk-Verzauberung, die keine Genre-Grenzen kennt. Artifizielle Country-Kunst, die Erdnähe, Eleganz und Experiment zu etwas bemerkenswert Eigenständigem vereint. Ein Americana-Amalgam, das mit sanft-zarter Energie jede Schublade sprengt. Heimlich, still und leise hat sich die Singer-Songwriterin mit der nahezu mädchenhaft-mitreissenden Stimme mit drei stilhaken-schlagenden Alben in das Herz ihrer hörigen Gefolgschaft gesungen, von Werk zu Werk Neues wagend, um schließlich 2010 mit einer Vertonung der Sage um Orpheus und Eurydice, entstanden unter Mitwirkung von Bon Iver's Justin Vernon und Förderin und Vorbild Ani DiFranco, für Furore nicht nur in Rezensentenkreisen zu sorgen. Doch auch das Grammy-nominierte Hadestown war kein Entwicklungs-Endpunkt, ihr 2012er Album Young Man In America ist ein derart vielschichtiges, mit Stil-Schranken nicht zu fesselndes 11 Song-Album geworden, das gleichzeitig die Stärken der Vorarbeiten bündelt und offen für ungewohnte, ja gewagte Sprünge ist. Immer noch sind Nähen zur großen Geistesschwester DiFranco hörbar, aber mit den elf in amerikanischen Traditionen wurzelnden Eigenkompositionen springt die kreative Künstlerin aus dem mächtigen Schatten und erschafft endgültig ihre ganz eigene, eigensinnige Alternative-Country-Sprache zwischen kargen Folk-Wurzeln, gepflegter Bluegrass-Reinheit, Brit-Folk-Rock-Elementen, Desert-Americana-Wüste, rohen Lou Reed-Gitarren, Gospel-Gesangs-Chören, barocker Streicher-Eleganz und Jazz-nahen Holz- und Blechbläser-Satz-Seitensprüngen. Mit traumwandlerischer Sicherheit verschmelzt sie in ihren melodisch-mitreissenden Liedern entfernteste Elemente zu einer spürbar natürlichen Einheit, erhalten Momente sparsam-erdnaher Folk-Intensität eine kunstvoll-traumgleiche Ebene durch Harmoniegrenzen-suchende Bläser, wird die von akustischer Gitarre geprägte Song-Keimzelle durch vielfarbiges, abwechslungsreiches Filigran-Werk verfeinert, liefert der Kontrast zwischen berührend-bewegend-schneidender, kindlich-charmanter Stimme und naturbelassen-rohen E-Gitarren-Akkorden einen unwiderstehlichen Reiz. DiFranco-Dauer-Weggefährte Todd Sickafoose produzierte, spielte Klavier und verschiedene Bässe, und die Liste der beteiligten Musiker spricht ebenfalls für die stilistische Bandbreite des Albums - aus Country, Folk, Jazz und Rock gleichermassen speiste sich die Mittäterschar, u.a. Adam Levy (Gitarren), Brandon Seabrook (Banjo), Jenny Scheinmann (Violine), Rob Burger (Akordeon, Orgel), Ben Goldberg (Klarinetten), Chris Thile (Mandoline) und gleich zwei Schlagwerker (Andrew Borger und Kenny Wollesen) prägten das irisierende Instrumental-Feld. Dennoch ist und bleibt das Feld der Mitchell-Kunst der Folk, lebt das Werk bei allen kunstvollen Ingredienzen vom bleibenden Wert eines jeden Songs, ist jedes Stück auch ohne Probleme im fesselnden Solo-Vortrag vorstellbar. So aber erhält man alles (und mehr), und wenn das Album mit dem kraftvoll ausufernden Ships in den aufgewühlten Ozean unter versöhnendem Sonnenuntergang entlässt, bleibt dem Hörer, gleichermassen bereichert und berührt, nur der der Weg des Wieder- und Wiederhörens. Und wird belohnt durch einen einzigartigen, ebenso natürlichen wie kunstvoll leuchtenden Folk-Edelstein, der bei jedem Wiedertreffen an Leuchtkraft gewinnt, einem Meisterstück, das in Herz und Hirn dauerhaft lange nachwirkt. Den Freunden und Verehrern von Gillian Welch, Joanna Newsom, Devon Sproule oder Ani DiFranco gleichermassen und vehement ans Herz gelegt. (cpa)

noch mehr von Anais Mitchell