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The National: Alligator - Hilfe
hilfe

The National - Alligator

Cover von Alligator
The National
Alligator

Label Beggar´s Banquet
Erstveröffentlichung 11.04.2005
Format CD
Lieferzeit 4 – 7 Werktage
Preis 9,95 € (inkl. 19% MwSt. zzgl. Versand)
Rezension

The National stammen aus Cincinnati/Ohio, Geburtsort illustrer Leute wie Bootsy Collins, Charles Manson und Ted Turner. Musikalisches Talent und den Hang zum Wahnsinn haben sie offenbar von dort mitgebracht, aber ebenso wie Ted Turner haben sie erst weit weg von zu Hause, im New Yorker Stadtteil Brooklyn, zu dem gefunden, was sie heute ausmacht. Sind ihre vorherigen Alben in Europa noch beim französischen Winziglabel Talitres erschienen, und dementsprechend nur wenigen Insidern ein Begriff gewesen, haben The National für ihr neuestes Werk beim „Major-Indie“ Beggars Banquet angedockt. Wer jetzt eine große Veränderung im Bandsound erwartet hat, weil mehr Geld für die Produktion zur Verfügung stand, sieht sich jedoch getäuscht. Der Unterschied zwischen Alligator und den famosen Vorgängern manifestiert sich nicht in der Wahl zwischen acht oder vierundzwanzig Spuren für die Aufnahme. Der aus dem Wechsel für die Band erwachsene Vorteil findet sich eher in einer breiteren Öffentlichkeitsarbeit und endlich gut besuchten Tourneen. Es gibt zum Glück immer noch weder Streicher, noch Chöre oder vierfach überlagerte Gitarren. Dennoch macht sich die Hinzunahme von Peter Katis als Co-Produzent (u.a. Interpol) dezent bemerkbar. Mit dem momentan vorherrschenden Bild des „New York Sound“, geprägt von The Rapture, LCD Soundsystem oder den Strokes, haben sie keine Gemeinsamkeiten. Die Metropole findet sich bei The National meist auf der textlichen Ebene, musikalisch merkt man ihnen die Mischung aus Herkunft und neuem Zuhause an: Americana mit starken Pop - und Indierockeinflüssen. Wer sich die Quersumme aus Wilco, Joy Division und einer Prise Interpol vorstellen kann und mag, bekommt eine leise Ahnung, wie diese Band klingt. Hatte man auf Sad Songs For Dirty Lovers noch den Eindruck, viele gute Songs wären mit ein paar Füllern zum Album gestreckt worden, ist Alligator von der ersten bis zur letzten Sekunde der sprichwörtliche Hammer. Sänger Matt Berninger schafft scheinbar mühelos den Spagat zwischen entspanntem crooning à la Leonhard Cohen und einem entfesselten Kurt Cobain. Seine sinistren Texte lassen eine geistige Nähe zu Nick Cave, Tom Waits oder Mark Lanegan vermuten. Häufig kreisen sie um (meist kurzlebige) Liebesbeziehungen als Stationen der eigenen Identitätssuche, oder reflektieren schonungslos ehrlich eigene Fehler und verpasste Chancen. Diese CD hat über Wochen so ziemlich jeden Player in unseren Büroräumen verstopft, nicht umsonst findet sie sich gleich vier mal in den Glitterhouse Jahres – Top Ten. Bleibt ihnen zu wünschen, einen ähnlich erfolgreichen Siegeszug zu halten wie CNN. Kennt schließlich heute auch jeder.

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