Bob Dylan: John Wesley Harding (rem.) - Hilfe
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Bob Dylan - John Wesley Harding (rem.)

Cover von John Wesley Harding (rem.)
Bob Dylan
John Wesley Harding (rem.)

Label Columbia
Erstveröffentlichung 01.04.2004
Format CD
Lieferzeit 1 – 8 Werktage
Preis 9,00 € (inkl. MwSt. zzgl. Versand)
Rezension

Remastert.
Columbia 1968. Die kurz nach der Zeit der „Basement Tapes“ zusammen mit Charlie McCoy (Bass) und Kenny Buttrey (Schlagzeug) sowie Peter Drake bei einigen Stücken an der Pedal Steel-Gitarre in Nashville im Oktober 1967 aufgenommene Platte, sollte ähnlich wie die elektrische Musik Dylans 1965 und 1966 wiederum eine kleine Revolution auslösen: in einer Zeit der elektrischen Rückkopplungen, überlangen Acid-Rock-Gitarrensoli und psychedelischer Alben zuhauf war dies zusammen mit der kurz danach erschienenen „Music From Big Pink“ von The Band der Beginn einer wieder eher songorientierten, traditionsbewussten Ära, in der Dylan mit der Hinwendung zur damals noch weitgehend reaktionär empfundenen Country-Musik abermals als Vorbild fungierte, dem nicht wenige binnen kurzer Zeit nacheiferten. „John Wesley Harding“ bedeutete für Dylans Musik selbst einen ziemlichen Einschnitt, wenn man die vergleichsweise opulent instrumentierte und interpretierte „Blonde On Blonde“ nicht einmal zwei Jahre zuvor anhört. Alle zwölf Lieder waren scheinbar einfach, musikalisch zumindestens, von der Folk-Border-Ballade bis hin zum Liebeslied mit Country-Steelguitar war kein weiter Weg.
Dylan schrieb kurze, einprägsamste Melodien, von denen mindestens drei, vier binnen kurzer Zeit zum Klassiker werden sollten: „All Along The Watchtower“ wurde durch die Version von Jimi Hendrix zum bekanntesten, aber auch „Dear Landlord“, „I’ll Be Your Baby Tonight“ und das für mich überragende Lied der Platte, „I Pity The Poor Immigrant“ gehören längst in den Kanon der „Americana“-Ecke. Doch auch die weniger bekannten Songs hatten es alle in sich. Meisterhaft reduziert gespielt, wurden „Drifter’s Escape“, „I Dreamed I Saw St. Augustine“ oder „The Wicked Messenger“ zu düsteren Gegenentwürfen zu einer von Vietnamkrieg, zunehmender Gewalt und Drogenproblemen geprägten Gegenwart Amerikas. In allen Songs ist ein bedrohlicher Geist in Dylans Gesang zu spüren, der viel mehr mit aktuellen politischen und gesellschaftlichen Strömungen zu tun hatte, als die zumeist als biblische Gleichnisse, Western-Parabeln und lakonische Fabeln verfassten und getarnten Songs auf den ersten und zweiten Blick zu enthalten schienen.
Dylan benutzte abermals die Schätze der Vergangenheit, um sich zur beunruhigenden und für viele zunehmend chaotischeren Gegenwart zu äußern, darüber hinaus sogar mit in den Songs oft verwendeten moralischen Grundgedanken und Werten - die in dieser Zeit nicht gerade hip waren - vor der Zukunft zu warnen. So wurde mit „John Wesley Harding“ endgültig Dylans Mythos als Prophet in der damals selbstgewählten Abgeschiedenheit Woodstocks zementiert, den er jedoch mit der folgenden „Nashville Skyline“ selbst erfolgreich, charmant und äußerst wirkungsvoll attackierte. Endlich nämlich war die Zeit für ein richtiges, reines Country-Album gekommen, das weder bedeutungsschwer noch kompliziert war, sondern sich zunächst einfach mal millionenfach verkaufte und wie im Flug das Herz Amerikas eroberte.

Review

“...country rock was born the day Dylan entered Columbia’s Nashville studios in October `67 and cut The Drifter’s Escape. When he’d finished five weeks and a dozen songs later, the face of music had been changed forever.” (Uncut)

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