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Tindersticks: Waiting For The Moon - Hilfe
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Tindersticks - Waiting For The Moon

Cover von Waiting For The Moon
Tindersticks
Waiting For The Moon

Label
Erstveröffentlichung 01.06.2003
Format CD
Leider nicht verfügbar.
Rezension

Sechstes reguläres Album der Briten und manchmal frage ich mich, ob man in dem Stadium einer Band eigentlich nur zu schon Konvertierten predigt? Gibt es tatsächlich im Jahre 2003 noch Leute, die die Tindersticks für sich entdecken, sie lieben lernen und sich dann in der Discografie nach hinten durcharbeiten? Ich glaube es kaum, schließlich macht man ja so seine Erfahrungen als Labeleigner.
Und dann fragt man sich natürlich, wie viele wirklich harte Tindersticks-Fans es gibt, die auch das neue Album haben müssen? Weil man ja schon fünf hat und einige Soundtracks und die Singles-Compilation und und und… und wer will sich schon die Depri-Keule geben? Und das mitten im Sommer? Aber lassen wir das, zieht eigentlich nur unnötig runter.
Denn, um mal ehrlich zu sein, ich bin Tindersticks-Fan und ich habe alle ihre Platten (auch wenn ich sie nicht alle auf Anhieb finde). Und ich werde auch „Waiting For The Moon“ haben müssen. Stuart Staples und sein musizierender Fünfer (seit Bandgründung unverändert!) ist sich treu geblieben, man erkennt den Sound der Band spätestens beim einsetzenden Nuscheln. Die Soul-Einflüsse der letzten beiden Alben sind verschwunden, der alte Sound ist zurück. Da regiert die klassische Ballade in all ihrer Schönheit, mal melodramatisch opulent, mal auf ein paar Pianotöne reduziert, grundsätzlich ein Ohrenschmaus. Aber es gibt auch Stücke mit Tempo, so geriert sich z.B. „4.48 Psychosis“ wie ein Velvet Underground-White-Light-Outtake, inklusive psychotischer Viola/Violine. Eine beinahe funkig zu nennende Bassfigur treibt „Say Goodbye To The City“ voran, die auch kurzfristig auftauchende Bündlungen von nervösen Streicher/Bläser-Attacken wieder in den Griff bekommt.
Geradezu poppig, von einem federleichten Streicherarrangement emporgehoben, zieht „Sometimes It Hurts“ seine Kreise. Lhasa de Sela´s nicht ganz akzentfreies Englisch bildet hier den sexy Gegenpart zu Staples’ extra nörgeliger Stimme. Beim nachfolgenden „My Oblivion“ entwickeln die Streicher eine eigenartige Sogwirkung, hymnenhafte Backingvocals verstärken das noch. Bei „Just A Dog“ klappern Mandoline und Banjo gelassen vor sich hin – die Band versucht also den sich selbst vorgegebenen Soundrahmen zu dehnen.
Wie vielleicht schon durchklang, ein rundes Werk, das wahrscheinlich kaum neue Fans finden wird. Die Konvertierten können sich ob ihres Wissensvorsprunges gelassen zurücklegen. Und noch einmal auf „Start“ drücken! (rh)

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