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Gene Clark: Flying High - Hilfe
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Gene Clark - Flying High

Cover von Flying High
Gene Clark
Flying High

Label
Erstveröffentlichung 01.01.2000
Format DoCD
Leider nicht verfügbar.
Rezension

Nur wenige haben den wirklichen Einfluß von Harold Eugene Clark auf die Musik erkannt. Er war neben Bob Dylan einer der kreativsten Songschreiber und ein Folk-Rock-Pionier. Sein Soloalbum mit den Gosdin Brothers war eins der ersten Country-Rock Alben, Jahre vor „Sweetheart Of The Rodeo“ und als er mit Doug Dillard musizierte, war Bluegrass in der modernen Popmusik auch nicht gerade der letzte Schrei.
Gene Clark gründete mit McGuinn und David Crosby die Byrds, hatte mit ihnen Megaerfolge, stieg aber schon beim zweiten Album aus, weil er Flugangst hatte (er hat als Kind mal einen Flugzeugabsturz gesehen) und so das schnelle Leben einer Hit-Band nicht mehr mitmachen konnte und wollte. Er sollte zwar noch über zwanzig Jahre erstklassige Musik veröffentlichen, aber so mitten im Rampenlicht wie mit den Byrds stand er nie wieder.
Diese exzellent remasterte 2-CD Retrospektive gibt nun einen Überblick über die Karriere des Mannes, der wie kaum ein anderer unter die Haut gehende Lieder und Melodien schreiben konnte. Sid Griffin ist für die Zusammenstellung verantwortlich und verbrachte Tage bei A&M in den Kellern, um nach unveröffentlichtem Material zu suchen. Und er wurde fündig. Natürlich ist er auch für die exzellenten Linernotes zuständig.
CD 1 beginnt mit den Frühwerken vor und um „Mr. Tambourine Man“. Gene Clark war bei weitem der reifste und kommerziellste Songwriter in der Band, was den anderen nicht gerade gefiel. Um die Album-Tantiemen nach Bandmeinung etwas gerechter zu verteilen, wurden viele erstklassige Clark-Kompositionen als B-Seiten verwendet. „Set You Free This Time“ ist ein gutes Beispiel. Zwei Songs von seinem Debüt „With The Gosdin Brothers“ schließen an die Byrds-Songs an. Es folgen drei erstmals veröffentlichte Tracks von einer abgebrochenen `68er Session, unter anderem „I Pity The Poor Immigrant“ vom Byrds-Songlieferanten Bob Dylan.
Die wundervolle Kooperation mit Banjo-Ass Doug Dillard als Dillard & Clark wurde völlig zu Recht mit gleich 11 Songs berücksichtigt, darunter das neu entdeckte „Dark Hollow“, im Jahre `59 ein großer Country-Hit für Jimmy Skinner.
Wegen Erfolglosigkeit schlug Gene wieder Solopfade ein und für die erste Single fanden sich alle Byrds der ersten Stunde als Backingband im Studio ein. „She´s The Kind Of Girl“ und „One In A Hundred“ erschienen später auf der „Roadmaster“ (Edsel) Compilation. Die beiden Mixe hier sind allerdings radikal anders und lagen über 25 Jahre in den Kellern von A&M.
CD 2: Es folgten die Aufnahmen für „White Light“, eines der besten (wenn nicht das Beste) Gene Clark Soloalben. Mit Jesse Ed Davis, mit dem er auch ein gefürchtetes Party-Tag-Team bildete, eingespielt, reifte die melancholisch-herzzerreißende Clark´sche midtempo Ballade zur absoluten Perfektion. Sogar Dylan soll gesagt haben, daß „Spanish Guitar“ ein Song sei, den jeder Songwriter wünschte, geschrieben zu haben. Leider geriet das Originalalbum recht kurz, vielleicht war das zu der Zeit gerade angesagt, aber es gibt wohl eine Reihe von Outtakes, von denen hier zwei exzellente das erste Mal das Licht der Welt erblicken.
Das rare „American Dreamer“ entstand für einen Dennis Hopper Film gleichen Titels, wurde aber später im Film „The Farmer“ verwendet. Drei schöne countryeske Songs aus wiederum abgebrochenen Sessions für ein Album namens „Roadmaster“, welches nie erschien, folgen. Der Edsel-Reissue lieh sich diesen Titel, um Jahre später Material aus diesen Aufnahmen und andere Outtakes zu veröffentlichen. Vertreten ist hier auch der „Full Circle Song“, der in einer anderen Version auch auf dem Reunion-Album der Byrds zu hören ist. Gene Clark war der einzige, der zu dem Album vernünftiges Eigenmaterial beisteuerte. Ich fand die Platte aber nie so schlecht, wie sie immer gemacht wurde.
Mit drei Songs von seinem kontroversen Asylum Debüt „No Other“ nähert man sich dem Ende von CD 2. Auf dem Cover trug er starkes Make Up, unheimliche Bell-Bottoms und sah aus, wie eine durchgeknallte Personalunion von Ziggy Stardust und den Spiders From Mars. Aber die Musik, so dunkel, mystisch und aufwendig orchestriert, die hat ihren Zauber bis heute erhalten. Nicht umsonst zählt „No Other“ zu den kleinen Meisterwerken am Rande der Popgeschichte.Auf dem Cover von „Two Sides Of Every Story“ sah er dann aus wie ein kanadischer Holzfäller mit Vollbart und offenem Kamin. Drei Songs sind hier vertreten. Die nachfolgende Reunion mit Roger McGuinn und Chris Hillman wurde wohlwollend unterschlagen. Viel erwähnens-wertes brachte die wirklich nicht hervor.
Ganz anders die Zusammenarbeit mit Carla Olson. Nur für einen Track von „So Rebellious A Lover“ war hier Platz. Dafür gibt es aber eine rare, intensive Version von Phil Ochs´ „Changes“.
Die 2-CD Retrospektive endet mit einer Pianoversion von „Mr. Tambourine Man“ vom eher mittelmäßigen „Firebyrd“ Album. So schließt sich der Kreis, „Full Circle“ sozusagen.
Kleine Anekdote: Von Ebbe in der Kasse gebeutelt, kam der erste Tantiemenscheck von Tom Petty´s „Feel Awhole Lot Better“ in siebenstelliger Dollarhöhe gerade richtig.
Ein paar Wochen nachdem die Byrds in die „Rock`n´Roll Hall Of Fame“ aufgenommen wurden, starb Gene Clark an Herzversagen – jahrelanger Alkohol- und Drogenmißbrauch fordete seinen Tribut.

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Foto von Echoes

Gene Clark

CD Echoes
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